Kaufen vor dem Verkauf: So funktionieren Überbrückungskredite in Österreich

Ein Überbrückungskredit kann in Österreich den Kauf einer neuen Immobilie ermöglichen, bevor die bestehende verkauft ist. Entscheidend sind dabei die Finanzierungslücke, die Laufzeit, die Besicherung und die Gesamtkosten. Wer Angebote vergleicht, achtet nicht nur auf den Zinssatz, sondern auch auf Tilgung, Nebenkosten und darauf, wie der spätere Verkaufserlös in die Planung einfließt.

Kaufen vor dem Verkauf: So funktionieren Überbrückungskredite in Österreich

Der österreichische Immobilienmarkt verlangt oft schnelles Handeln: Ist die passende Wohnung oder das Haus gefunden, bleibt wenig Zeit, um erst den Verkauf der bisherigen Immobilie abzuwarten. Genau hier setzt die Zwischenfinanzierung an - sie ermöglicht es, den Kauf vorzuziehen, ohne auf den Verkaufserlös der alten Immobilie warten zu müssen.

Funktionsweise von Überbrückungskrediten

Ein Überbrückungskredit ist ein kurzfristiges Darlehen, das den Zeitraum zwischen dem Kauf einer neuen Immobilie und dem Verkauf der bestehenden Liegenschaft finanziell abdeckt. Die Bank stellt dabei einen Betrag zur Verfügung, der oft durch die noch unverkaufte Immobilie besichert wird. Sobald der Verkauf abgeschlossen ist, wird der Kredit mit dem Erlös zurückgezahlt. Dadurch bleibt genug finanzieller Spielraum, um den Kauf der neuen Immobilie zeitnah abzuschließen, ohne den Verkaufsprozess der alten überstürzen zu müssen.

Zwischenfinanzierung beim Immobilienkauf

Bei der Zwischenfinanzierung prüfen Banken in der Regel sowohl die Bonität der Kreditnehmerin oder des Kreditnehmers als auch den geschätzten Marktwert der zu verkaufenden Immobilie. Häufig wird ein Gutachten oder eine aktuelle Immobilienbewertung verlangt, um den realistischen Verkaufspreis abzuschätzen. Manche Institute bieten zudem flexible Rückzahlungsmodelle an, bei denen während der Laufzeit nur die Zinsen bedient werden und die Tilgung erst nach dem Verkauf erfolgt. Das erleichtert die finanzielle Planung in der Übergangsphase erheblich.

Zinsen, Laufzeiten und Sicherheiten

Die Konditionen für Überbrückungskredite unterscheiden sich je nach Bank, Bonität und Höhe der Sicherheiten. Üblich sind Laufzeiten zwischen sechs und 24 Monaten, wobei manche Institute auch kürzere oder längere Zeiträume anbieten. Als Sicherheit dient meist die noch zu verkaufende Immobilie selbst, in manchen Fällen wird zusätzlich eine Absicherung über das neu erworbene Objekt verlangt. Die Zinssätze liegen aufgrund des höheren Risikos und der kurzen Laufzeit häufig etwas über jenen klassischer Hypothekarkredite.

Worauf beim Kauf vor dem Verkauf zu achten ist

Wer eine Immobilie kaufen möchte, bevor die alte verkauft ist, sollte realistisch einschätzen, wie schnell sich die bestehende Immobilie tatsächlich veräußern lässt. Eine zu optimistische Einschätzung des Verkaufspreises oder der Verkaufsdauer kann zu finanziellen Engpässen führen. Es empfiehlt sich, verschiedene Angebote von Banken zu vergleichen, die Gesamtkosten inklusive Nebengebühren zu berücksichtigen und im Vorfeld mit einer unabhängigen Finanzberatung zu sprechen. Auch steuerliche Aspekte, etwa im Zusammenhang mit der Immobilienertragsteuer, sollten frühzeitig geklärt werden.

Die Kosten für Überbrückungskredite variieren je nach Bank, Bonität und Marktlage. In Österreich bieten mehrere etablierte Banken entsprechende Produkte an, deren Konditionen sich im Detail unterscheiden. Die folgende Übersicht zeigt beispielhafte Richtwerte, die als Orientierung dienen können.

Produkt/Dienstleistung Anbieter Kostenschätzung
Überbrückungskredit Erste Bank ca. 3,5-5,5% Zinssatz p.a.
Zwischenfinanzierung Raiffeisenbank ca. 3,8-5,8% Zinssatz p.a.
Kurzzeitkredit Bank Austria ca. 4,0-6,0% Zinssatz p.a.
Brückenfinanzierung BAWAG P.S.K. ca. 3,7-5,5% Zinssatz p.a.
Zwischenkredit ING Austria ca. 3,9-5,7% Zinssatz p.a.

Die in diesem Artikel genannten Preise, Kosten oder Schätzungen basieren auf den zuletzt verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Vor finanziellen Entscheidungen wird eine unabhängige Recherche empfohlen.

Überbrückungskredite können für Käuferinnen und Käufer in Österreich eine sinnvolle Möglichkeit sein, den Kauf einer neuen Immobilie zeitlich vom Verkauf der bisherigen zu entkoppeln. Wer sich frühzeitig über Konditionen, Laufzeiten und Sicherheiten informiert und realistische Annahmen über den Verkaufsprozess trifft, kann finanzielle Risiken deutlich reduzieren und den Übergang zwischen zwei Immobilien deutlich entspannter gestalten.